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Interview mit Doro Schrimpe Gründerin von Umiwi

Doro von Umiwi kennen wir seit circa 4 Jahren. So lange verkaufen wir Schmuck ihres tollen Labels Umiwi bei uns im Laden.

Eigentlich wollten wir gar keinen Schmuck mehr verkaufen, da unser Laden ja recht voll ist und Schmuck dann leicht unter geht. Aber Doros Schmuck ist so hübsch und bunt und ihr gesamtes Projekt so überzeugend und sie so sympathisch, dass wir uns doch umentschieden haben - glüchlicherweise!

Früher lebte Doro noch in Berlin, mittlerweile wohnt sie wieder hauptsächlich in ihrer ursprünglichen Heimat Köln und wir sehen uns meist nur noch auf den Messen. Dieses Foto von ihr auf der neonynt, der ehemaligen Ethical Fashion Show in Berlin, haben wir dieses Frühjahr gemacht.

Besonders überzeugend an Umiwis Konzept finden wir, dass sie ausschließlich mit sozialen Projekten und kleinen 'Workshops' zusammen arbeitet und damit das eigentliche Konzept des Fairen Handels mit modernem Design kombiniert. Genau das ist es, wie aus unserer Sicht faire Mode und faire Accessoires produziert werden sollten. Für Umiwi ist 'fair' nicht nur ein schickes Accessoires, sondern eine Herzensangelegenheit. Ein aktuelles Projekt von Doro ist die CLEAN WATER CAMPAIGN. Dabei geht es um das Recht auf sauberes Trinkwasser für alle und um die Reduzierung von Plastik. Seit Sommer 2018 berät Umiwi Gastronomiebetriebe und Geschäfte und versucht, sie zu überzeugen, auf vermeidbare Plastikeinwegverpackungen wie ToGo-Becher, Strohhalme, Tüten zu verzichten und Produkte von ausbeuterischen Großkonzernen, die Wasserquellen in oft wasserarmen Regionen privatisieren und unfaire Geschäfte mit Trinkwasser machen aus ihren Sortimenten zu nehmen. Das finden wir super und wollten Euch unbedingt noch erzählen, bevor Doro nun endlich selbst zu Wort kommt.


Interview mit Doro Schrimpe

 

1. Stell dich doch bitte kurz vor: wie heißt du, wo lebst du? Wie alt bist du? Wie heißt dein Label?

Ich bin Doro, wohne in Köln und viel in Berlin, bin 36 Jahre alt und Inhaberin des fairen Schmucklabels UMIWI.

 

2. Kannst du uns in 2,3 Sätzen das Konzept deines Labels erklären?

Unsere Accessoires sind aus natürlichen und recycelten Materialien und entstehen in liebevoller Handarbeit in sozialen Projekten in Mexiko, Thailand und Indien.

Die meist spendenabhängigen Projekte erhalten durch die Zusammenarbeit eine eigene Finanzquelle und die Mitarbeiter ein faires Gehalt. Wir versuchen die drei Säulen der Nachhaltigkeit, sozial, ökologisch und ökonomisch im Ganzen zu berücksichtigen und immer weiter zu verbessern.

 

3. Wann hast du dein Label gegründet und wie kam es dazu?

UMIWI ist aus einer Herzensangelegenheit entstanden. Meine Arbeit in unterschiedlichen Hilfsorganisationen in Thailand war Auslöser für die Gründung meines Labels. Die meisten sozialen Projekte unterliegen einer starken Spendenabhängigkeit und Entscheidungen der Geldgeber. Verdient ein Hilfsprojekt eigenes Geld, kann es den Abhängigkeiten entgegenwirken, selbstständig handeln und die Menschen beziehen eigene Löhne für ihre Arbeit. Mit dem Hintergrund habe ich 2011 UMIWI gegründet - Produktion und Handel mit Hilfsorganisationen. Das Produkt war noch nicht klar.

 

4. Woher kommt der Name deines Labels?

 YOU ME WE – U MI WI erklärt sich von selbst. Für dich, für mich und für uns alle eine sehr gute Sache ♥.

 

5. Hast du geplant, Unternehmerin bzw. Gründerin zu werden oder ist das eher 'passiert' (und wie)?

Öööh, naja, ich hab schon immer gemerkt, dass ich keinen Chef brauche, ich entscheide lieber selbst, aber UMIWI habe ich nicht jahrelang geplant. Ich kam 2008 zurück aus Thailand, nachdem ich ein Jahr dort in einem Hilfsprojekt gearbeitet habe, bin dann in Köln in einer Unternehmensberatung gelandet. Hier habe ich viel über meine Erfahrungen in Thailand nachgedacht und heimlich angefangen, meinen eignen Business Plan zu schreiben. Dann alles in Köln in den Sack gehauen, nach Berlin gezogen, in einer fairen Kaffeebude gearbeitet und dann mit Hilfe meiner UNI und meinem Masterstudiengang in soziokulturelle Studien UMIWI gegründet, als Studentin.

 

6. Was hast du vor deiner Labelgründung beruflich gemacht?

Erklärt sich schon fast in der vorherigen Frage. International Business und dann 'nen sozialen Master studiert, dann mein erster Job in Thailand – Projektkoordinator für kulturell sensitiven Tourismus in einem Hilfsprojekt, zurück nach Kölle als Unternehmensberater für Start-Ups und dann kam Berlin.

 

7. Was wolltest du als kleines Mädchen beruflich machen?

Meeresbiologin und Rockstar.

 

 

8. Wie hat dein Umfeld auf deine Entscheidung, dich mit einer Modemarke selbstständig zu machen reagiert?

Alle Reaktionen waren natürlich dabei. Viel Skepsis aber auch viele POWER POWER POWER WORTE und Unterstützung ♥.

 

9. Hattest du Angst zu scheitern und hattest du einen Plan B?

Die habe ich immer ;-), man weiß ja nie was passiert.

Hinzu kommt, dass ich mit Projekten in Ländern zusammenarbeite, wo es immer wieder politische Unruhen und Naturkatastrophen gibt. Die Menschen in den Projekten kommen aus schwierigen Situationen, fallen manchmal aus oder haben andere Probleme. Einen Plan B habe ich nicht, doch Rockstar!

 

10. Wie ist es für dich, Gründerin eines Labels zu sein? Spielt es dabei eine Rolle, dass du eine Frau bist?

Ich freue mich, dass ich mein Ding machen kann. Ich bin demütig und glücklich. Nö, Frau, spielt für mich überhaupt keine Rolle.

 

11. Spielt Frauenförderung oder 'Women Empowerment' eine Rolle für dein Label?

Eigentlich spielt es, ganz ehrlich, keine große Rolle für mein Label. Ich möchte, dass die Menschen, die für UMIWI den Schmuck herstellen, Freude daran haben, ein faires Gehalt und eine bessere Zukunft dadurch bekommen. Ob sie hier Mann oder Frau sind ist uns dabei nicht wichtig.

Allerdings haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Frauen in den Projekten zielstrebiger und strebsamer sind. Aus diesem Grund sind wir auch bei Accessoire gelandet, das war bei Gründung von UMIWI gar nicht klar. Die ersten Aufenthalte in den Projekten haben dann gezeigt, dass die Mädels engagierter sind, viele Produktideen und vor allem Ideen mit Schmuck und Accessoires hatten.

 

 

12. Was bedeutet Feminismus für dich?

Puuuh, ich weiß, es war gerade Weltfrauentag. Ehrlich gesagt nervt mich das Wort manchmal schon, vor allem in unserer Welt.

Grundsätzlich ist es wichtig, vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern Frauen zu fördern, aber genauso auch Männer, denen es nicht gut geht.

Ich finde es allerdings richtig uncool, dass Frauen in Deutschland in manchen Berufen immer noch weniger verdienen als Männer, es schwer als Alleinerziehende und Berufstätige haben, aufgrund von Kitamangel und altmodischen Arbeitszeiten. Schade, dass diese Themen in unserem modernen Land nach jahrzehntelangen Debatten immer noch nicht gut funktionieren und ausgeglichen sind.

Dennoch denke ich, wenn ich Bundeskanzlerin werden will, dann werde ich es.

 

13. Gibt es für dich eine Verbindung zwischen Mode, Textilindustrie und Feminismus?

Wenn mir etwas dazu einfällt, dann das die Themen sehr verzehrt und nicht harmonisch sind. Ich versuche es mit zwei Sätzen, sonst wird es viel zu lang.

Auf der einen Seite wird Mode stark von Frauen geprägt, sie trauen sich mehr, spielen mit der einen Seite des Feminismus und ihrer Stärke. Auf der anderen Seite kaufen die Massen und auch die Frauen in dieser Welt Mode, die unfair und unter furchtbaren Bedingungen hergestellt wurde und das überwiegend von Frauen. Hier interessiert sich dann die Masse der modebewussten femininen Frau nicht mehr für Gleichberechtigung ☹.

 

14. Kannst du anderen Frauen, die sich selbstständig machen wollen etwas mit auf den Weg geben?

Langer Atem, Hartnäckigkeit, brenn für deine Idee, schau auf die Zahlen. Glaub nicht alles, was man dir erzählt. Geht nicht, gibt es nicht.

 

 

15. Gibt es irgendeine Anekdote, die du uns erzählen magst, die bei der Gründung und dem Aufbau des Labels passiert ist und dir immer mal wieder in den Sinn kommt, weil sie so eindrücklich oder vielleicht auch so lustig oder absurd war?

Also ...

Es war keine Spinne im Karton, aber der thailändische Mangoholzwurm war mal mit in den ersten Lieferungen. Hier dachte ich, alles ist vorbei und ich muss Insolvenz anmelden, weil der Wurm die Armreife auffrisst. Das werde ich nie vergessen.

Es war Gott sei Dank nur ein dicker Wurm in einem Armreif.

 

16. Und da es auch für uns Selbstständige nicht nur Arbeit geben sollte, die letzte Frage: Wie entspannst du am Liebsten von deiner Arbeit?

Surfen. Sex. Essen. Musik machen und schlafen!

 

Vielen Dank für deine Antworten liebe Doro :-)

 

 

Hier könnt Ihr Euch die Homepage und den Shop von Umiwi anschauen. Ausgewählte Teile der Kollektion findet Ihr auch bei uns im Laden.

Das Interview führten wir schriftlich mit Doro im Februar 2019. Alle Fotos sind urheberrechtlich geschützt und im Eigentum von UMIWI oder supermarché. Nicole Jäckle, März 2019.

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