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Interview mit Nathalie Schaller von [eyd]

Nathalie kennen wir persönlich noch gar nicht so lange. Ihr Label [eyd], das früher Glimpse hieß, haben wir aber schon seit einigen Jahren im Sortiment. Auf Messen hatten wir uns persönlich bisher nicht getroffen, deshalb freuten wir uns, als Nathalie ankündigte, bei uns im Laden vorbei zu kommen und uns ihr neues Label [eyd] vorzustellen. Dieses betreibt sie übrigens mit ihrem Mann und einem kleinen Team, und das alles als Mutter von mittlerweile zwei kleinen Kindern.

Als Nathalie uns dann im Laden besuchte (wobei dieses Foto entstand), fanden wir sie gleich sehr sympathisch. Und sympathisch ist auch das Konzept ihres Labels: Die jungen indischen Frauen, die die Kleidung von [eyd] nähen, sind allesamt ehemalige Zwangsprostituierte, die von einer NGO aus der Prostitution befreit wurden. Da diese Frauen in der Regel keinerlei Berufsausbildung haben und zudem psychisch schwer belastet sind, haben sie so gut wie keine Chancen auf dem normalen Arbeitsmarkt. In der kleinen Partnerwerkstatt von [eyd] in Mumbai, die von der indischen Organisation Chaiim geleitet wird, erlernen die Frauen einen ersten Beruf, sie werden therapeutisch betreut, holen Schulunterricht nach und werden ermutigt, ihr Leben selbst zu gestalten. Aber das soll Euch Nathalie besser selbst berichten ...


Interview mit Nathalie von [eyd]

1. Stell dich doch bitte kurz vor: wie heißt du, wo lebst du? Wie alt bist du? Wie heißt dein Label?

Hi, ich heiße Nathalie, aber werde meist Lilly genannt. Ich bin 35 Jahre als und wohne mit meinem Mann und meinen zwei süßen Töchtern in Stuttgart. Ich bin die Gründerin des bio-fairen-humanitären Modelabels [eyd].


2. Kannst du uns in 2,3 Sätzen das Konzept deines Labels erklären?

[eyd] ist ein humanitäres Modelabel mit einer ganz besonderen Vision: empower your dressmaker!

Produziert wird in Kooperation mit einem indischen Sozialprojekt in Mumbai, das Frauen beschäftigt, die aus Zwangsprostitution befreit werden konnten. Wir bieten den Frauen zusammen mit unseren indischen Partnern eine neue Perspektive für ihr Leben: Faire Arbeit, ein liebevolles Umfeld, psychologische Betreuung und sogar einen Schulabschluss können die Frauen nachholen.

Natürlich arbeiten wir dabei nur mit hochwertigen und ökologisch korrekten Materialien wie Biobaumwolle und Lyocell.

 

3. Wann hast du dein Label gegründet und wie kam es dazu?

Ich habe [eyd] 2017 gegründet. Die Gründung von [eyd] hat eine ziemlich lange Vorgeschichte. Ich komme eigentlich gar nicht aus der Modebranche, sondern bin Juristin. Gerechtigkeit lag mir schon immer am Herzen. Nach meinem Jura-Studium habe ich einen sozialen Einsatz in Kambodscha gemacht und dort Frauen kennengelernt, die aus Zwangsprostitution befreit werden konnten. Ihre Lebens- und Leidensgeschichten haben mich sehr bewegt und ich habe mich dann entschlossen, solchen Frauen zu helfen. Mir war auch relativ schnell klar, dass ich das mithilfe von Mode machen möchte. Und über die Menschenrechtsorganisation International Justice Mission kam ich dann schließlich nach Indien, zu unseren jetzigen Produktionspartnern, der Chaiim Foundation.

4. Woher kommt der Name deines Labels?

[eyd] steht zum einen als Lautschrift für Engl. Aid (Hilfe, Unterstützung) und gleichzeitig als Abkürzung für „empower your dressmaker“.


5. Hast du geplant, Unternehmerin bzw. Gründerin zu werden oder ist das eher 'passiert' (und wie)?

Das ist eher so passiert. Es gab einfach kein derartiges Projekt, bei dem ich hätte mitmachen können. Insofern blieb mir nicht anderes übrig, als das Projekt selbst zu starten ;-)

 

6. Was hast du vor deiner Labelgründung beruflich gemacht?

Vor der Gründung habe ich fast 6 Jahre als Juristin im Medienbereich gearbeitet und bin Mama geworden.

 

7. Was wolltest du als kleines Mädchen beruflich machen?

Früher wollte ich lange Zeit Tierärztin werden. Ich war als Mädchen völlig verrückt nach Pferden und habe jede freie Minute im Stall verbracht.

 

8. Wie hat dein Umfeld auf deine Entscheidung, dich mit einer Modemarke selbstständig zu machen reagiert?

Meine Freunde waren schnell von der Idee eines sozialen Modelabels überzeugt und viele haben direkt mitgeholfen. Ohne meine Freunde und deren Unterstützung wäre das gar nicht möglich gewesen. Meine Eltern waren am Anfang etwas skeptisch. Mittlerweile finden aber auch sie das Projekt super und unterstützen das, was wir tun, mit voller Überzeugung.

9. Hattest du Angst zu scheitern und hattest du einen Plan B?

Weder noch ;-) Ich bin ziemlich gut darin, Risiken auszublenden. Sonst würde man so ein Unterfangen glaub ich gar nicht erst starten.

 

10. Wie ist es für dich, Gründerin eines Labels zu sein? Spielt es dabei eine Rolle, dass du eine Frau bist?

Ich liebe, was ich tue und ermögliche dabei anderen Frauen, ihr Leben wieder lieben zu lernen. Frauen sollten Frauen viel mehr unterstützen!

 

11. Spielt Frauenförderung oder 'Women Empowerment' eine Rolle für dein Label?

Ja, im Grunde ist das der Kern unseres Unternehmens. Die Mode ist dabei quasi Mittel zum Zweck.

 

12. Was bedeutet Feminismus für dich?

Feminismus ist für mich im Grunde das Streben nach Gleichberechtigung.


13. Gibt es für dich eine Verbindung zwischen Mode, Textilindustrie und Feminismus?

Ja, unser Modelabel [eyd] :-)

14. Kannst du anderen Frauen, die sich selbstständig machen wollen, etwas mit auf den Weg geben?

Immer positiv bleiben und nicht entmutigen lassen!

 

15. Gibt es irgendeine Anekdote, die du uns erzählen magst, die bei der Gründung und dem Aufbau des Labels passiert ist und dir immer mal wieder in den Sinn kommt, weil sie so eindrücklich oder vielleicht auch so lustig oder absurd war?

Der Start von [eyd] war insgesamt ziemlich verrückt und lustig. Die erste Kollektion haben wir in Nachtschichten im Keller meiner Eltern genäht. Wenn ich jetzt sehe, wie sich alles entwickelt und professionalisiert hat, muss ich über diese Zeit immer wieder schmunzeln.

 

16. Und da es auch für uns Selbstständige nicht nur Arbeit geben sollte, die letzte Frage: Wie entspannst du am Liebsten von deiner Arbeit?

Am liebsten gehe ich eine Runde Joggen oder Schwimmen. Bewegung an der frischen Luft ist einfach das Beste! Oder natürlich Abhängen mit meinen Lieblings-Mädels :-)

 

 

Vielen Dank für deine Antworten, liebe Nathalie :-)

 

Hier könnt ihr Euch die Homepage und den Shop von [eyd]  anschauen. Ausgewählte Teile der Kollektion findet ihr immer auch bei uns im Laden.


Das Interview führten wir schriftlich mit Nathalie im Februar 2019. Alle Fotos sind urheberrechtlich geschützt und im Eigentum von [eyd] oder supermarché (foto 1). Nicole Jäckle, März 2019.

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