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Unsere Situation als Laden durch Corona. Und ein großes Dankeschön!

Unsere Situation durch Corona

Es sind keine schönen Zeiten gerade. Wie sicherlich viele von Euch haben auch wir oft Angst um unsere Lieben, um Ältere und chronisch Kranke, um unsere eigene Gesundheit, davor wie es weiter geht und auch um unseren Laden und damit um unsere wirtschaftliche Existenz.

 

Seit dem 18.3. ist unser Laden zu. Das kam wie ein Schlag. Zwar hatten wir in einem seltsamen Moment schon im Februar kurz überlegt, was passiert, wenn sich das Virus hier wirklich ausbreitet, wenn eine unserer Mitarbeiterinnen in Quarantäne muss, müssen wir dann alle in Quarantäne? Und ja, kurz haben wir auch gedacht, was wäre, wenn wir den gesamten Laden schließen müssten. Aber eigentlich erschien uns (fast) alles normal zu diesen Zeitpunkt und wir haben es als Anfall von Paranoia abgetan. Und dann kam es wirklich so und noch viel schlimmer als damals in diesem kurzen Angstmoment befürchtet:

Unser Laden ist seit mehr als 2 Wochen geschlossen, wir mussten - um irgendwie den Laden und damit auch die Arbeitsplätze zu retten - alle unsere Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit schicken. Ab April bekommen sie nur noch 60 % (mit Kind 67%) ihres Nettolohnes. Das ist verdammt knapp und für die, die Teilzeit arbeiten viel zu wenig. Das ist richtig scheiße. Und wir hoffen sehr, dass dies nicht lange nötig sein wird.

Ben und ich bekommen als InhaberInnen kein Kurzarbeitsgeld. Wir leben jetzt von unseren persönlichen Rücklagen. Die waren zwar für Schöneres gedacht (oder für die Rente, haha) aber was solls, immerhin haben wir was, von dem wir zumindest ein, zwei Monate unsere privaten Ausgaben bezahlen können. Unsere Laden-Rechnungen, die ja weiterhin anfallen, bezahlen wir von den Reserven, die der Laden zum Glück angespart hat, da wir seit jeher sehr vorsichtig wirtschaften. Im Gegensatz zu anderen haben wir glücklicherweise keine Bankkredite, die wir bedienen müssen, keine InvestorInnen, die auch jetzt noch Geld sehen wollen. Wir sind unabhängig - aus Prinzip - und das ist jetzt nochmal mehr ein großes Glück.

Sehr lange halten wir das natürlich nicht durch. Zum Glück haben wir vom Berliner Senat/der IBB - absolut unbürokratisch und sehr schnell - eine Soforthilfe für kleine Unternehmen bekommen. Das ist eine große Erleichterung und dafür sind wir wirklich sehr dankbar. Da war Berlin mal richtig schnell und cool. Die Vermieter unseres Ladens & Büros haben sich bereit erklärt, dass wir in den Monaten der Schließung nur sehr wenig Miete zahlen und diese dann in den nächste Monaten in Raten abbezahlen können. Auch das nimmt Druck von uns. Soviel zum dramatischeren Teil.

 

Komischerweise und zum Glück sind wir trotz allem optimistisch, dass wir irgendwie durch diese Krise kommen, dass es den Laden danach noch gibt mit dem gesamten Team. Und wir haben das Gefühl, dass wir sogar daraus lernen können. Z.B. wie wir in Zukunft Ware vorbestellen werden. Welche Marken sich solidarisch verhalten. Was wirklich wichtig ist. Und wir lernen Onlineshop :-)


Unser Onlineshop

Eigentlich wollten wir nie einen Onlineshop. Zumindest nicht für den supermarché. Die Angst vor den Rücksendefluten und die noch größeren Lagermengen mit all ihren Risiken und der daraus entstehende Sale-Druck, den wir nicht wollen hat uns davor immer zurückschrecken lassen. Und wir finden Einzelhandel auch einfach gut. Kleidung vor Ort anzuprobieren macht Sinn (und Spaß).

Wir betreiben zwar seit Jahren einen kleinen Onlineshop für unser Eigenlabel Hirschkind mit handbedruckter Bio-Bettwäsche, Geschirrtücher, Schürzen, Shirts & Röcken. Das ist o.k., weil dies Sachen sind, die meist passen und gefallen, wenn man nach den Bildern geht und sich an den normalen Größen orientiert. Die Rücksendungen halten sich also in Grenzen.

 

Nun haben wir aus der Not herausb einen Onlineshop aufgebaut. Weil unser Lager überquillt und wir nichts davon verkaufen können und wir schon jetzt Angst vor der im Sommer eintreffenden Herbstware und all den damit verbundenen Rechungen haben (die wir nach jetzigem Stand nicht bezahlen werden können). So müssen und können wir nun testen, wie das so ist mit so einem Shop. Im Moment macht uns das richtig Spaß und wir freuen uns über jede Bestellung wie die Kinder! Eigentlich gar nicht so schlecht, dass wir dazu gezungen wurden ;-)

 

Übrigens könnt Ihr nach Absprache mit uns die bestellten Sachen auch - kontaktlos - abholen. In der Regel Montags, Mittwochs und Freitags nachmittag. Wir machen dann einen ungefähren Termin mit Euch aus.


Gutscheine

 

 

 

 

Gutscheine könnt Ihr natürlich auch kaufen und bei uns einlösen sobald wir wieder aufmachen können - unser Lager ist ja voll schöner Frühlings- und Sommerware und der Frühling ist da!


Behelfsmasken made by Gela und Lisa & Spendenmasken für die Berliner Tafel

Corona macht uns auch kreativ. Ab jetzt könnt Ihr bei uns Mundbedeckungen/Behelfsmasken bestellen. Die Masken wurden von Lisa & Gela genäht - aus ausgemusterter Bettwäsche und Probedrucktüchern aus unserer Siebdruckwerkstatt. Das sind alte Bettwäschen oder Tücher, auf denen ich einen Drucktest mache bevor ich richtig losdrucke. Dementsprechend bunt sind sie mit allen möglichen Motiven bedruckt. Die Erlöse des Maskenverkaufs gehen an Gela & Lisa direkt. 

Pro verkaufter Maske spenden wir eine weitere Maske an die Berliner Tafel e.V., die gerade dringend welche brauchen! Ihr könnt auch nur Masken spenden.

Die Spendenmasken werden in der kleinen Näherei in Sachsen genäht, die unsere Biobettwäsche für uns fertigt. Sie nutzt dafür die Stoffreste (Bio natürlich!), die beim Nähen der Bettwäsche übrig bleiben und zu schmal sind, um daraus noch Kissenbezüge machen zu können. Richtig sinnvolles Upcycling also. Und Euren Mitmenschen tut Ihr mit dem Tragen einer Maske auch etwas Gutes.


Was Ihr noch tun könnt, um uns zu unterstützen

Um uns zu unterstützen, müssst Ihr auch nicht unbedingt Geld ausgeben, das Ihr vielleicht im Moment selbst gar nicht habt. Es gibt viele weitere, kleine Möglichkeiten, die uns helfen und für die Ihr in der Quarantäne vielleicht gerade Zeit habt:

  • Liked & kommentiert unsere Seiten und Beiträge auf facebook und Instagram. Klingt blöd, aber das hilft uns, da es unserer Seite Traffic bringt und uns so bekannter macht
  • Teilt unsere Beiträge und verbreitet so auch unseren Onlineshop
  • Schreibt Bewertungen auf Google Maps und facebook. Vor allem Bewertungen auf Google Maps spielen eine große Rolle und bisher war unserer Publikum nicht so bewertungsaffin ;-)
  • Abonniert unseren Newsletter (aber nur dann, wenn er Euch wirklich interessiert ;-) )
  • Bewertet oder liked uns auf nebenan.de, dem Portal für Nachbarschaften.

Danke!

Außerdem wollen wir danke sagen:

Ihr seid die Besten!

 

Wir sind total dankbar, dass Ihr so solidarisch seid und bei uns auch online so fließig einkauft. Und Gutscheine bestellt. Das ist super gut und rettet uns echt!

 

Und dass es diese schöne Solidarität gibt, ist auch der Grund (glauben wir zumindest), warum wir nicht verzagen. Dafür wollen wir Euch ein großes Danke sagen! Die Dankesparty ist schon in Planung. Sobald wir keine Angst mehr vor physischer Nähe haben müssen, geben wir einen aus für unsere lieben UnterstützerInnen!

 

Danke!

Nici, Ben und das supermarché-Team Lene, Gela, Lisa, Magalie, Daria, Jule und Nele

 

* Das süße Affchen ist eine Karte von Cards from Africa, die auch in unseren Onlineshop bestellt werden kann. Sie wird in Ruanda von Hand als Collage gemacht von jungen Menschen, die im Krieg zu Waisen wurden und sich so eine Eigenständigkeit aufbauen konnten.


POST SKRIPTUM: Wir wissen natürlich, dass wir nicht die Einzigen sind, die derzeit Probleme haben. Vielen geht es genauso und anderen geht es noch viel schlechter als uns. Zum Beispiel den Kneipen, Cafés, Restaurants & Clubs, die den entgangenen Umsatz nie mehr einholen können. Oder den Soloselbstständigen und KünstlerInnen, die auch sonst nur gerade so über die Runden kommen. Und den Obdachlosen, die jetzt noch weniger Geld von PassantInnen bekommen. Und vor allem den Geflüchteten, die in  den überfüllten Lagern sitzen und schreckliche Angst vor dem Ausbruch von Corona haben, das bei der Enge dort nicht mehr kontrolliert werden kann.

Unser nächster Blogpost wird zum Thema Solidarität sein und was Ihr tun könnt, um anderen zu helfen. Denn Solidarität, das ist das einzig Gute, was Corona derzeit hervorbringt.