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Muanana

Das Nähprojekt von und für Geflüchtete MUANANA bietet den dort aktiven Geflüchteten eine sinnvolle Tätigkeit und ein (zusätzliches) Einkommen und vor allem ist es ein Ort der Zusammenkunft und der gegenseitigen Unterstützung. Die Mitbegründerin Christa unterstützt die Geflüchteten in ihren alltäglichen Kämpfen mit Ämtern und Behörden und hilft bei der Wohnungs- und Ausbildungssuche und vielem mehr. Da MUANANA so ein wichtiges Projekt ist, unterstützen wir dieses seit ein paar Jahren regelmäßig. Wie auch Ihr MUANANA unterstützen könnt, erfahrt Ihr im Interview. Am Einfachsten geht es mit dem Kauf eines der hübschen MUANANA-Produkte in deren Onlineshop.

Auißerdem haben wir Shirts zu unserer Kampagne "Nachbar*innen statt Models" gedruckt. Pro verkauften Shirt gehen 5€ als Spende an MUANANA.



Wer bist du, wie ist das Konzept Eures Projektes? 

 

Christa: Ich bin Christa. Muanana ist ein Nähprojekt für Geflüchtete. Die Idee für „Muanana“ entstand gemeinsam mit mehreren der Geflüchteten nach der Räumung des Oranienplatzcamps 2014. Über 100 Gefüchtete wurden zunächst nach der Räumung in einem Hostel in der Gürtelstr. in Friedrichshain untergebracht. Sie waren zwar froh darüber, endlich ein Dach über dem Kopf zu haben, fühlten sich jedoch zur Untätigkeit verdammt.

Sie hatten vor der Überfahrt nach Lampedusa alle in Libyen gelebt und gearbeitet, bis zum Bürgerkrieg 2011. Ihnen fiel im Hostel schnell die Decke auf den Kopf. „Wir sind nicht gekommen, um Almosen zu empfangen, wir wollen arbeiten“. So entstand die Idee, Kreatives herzustellen.

Muanana soll zum einen zeigen, welche wunderschönen Dinge sich herstellen lassen aus afrikanischen Stoffen. Und zum andern erfüllt es uns alle mit Stolz, welche Fähigkeiten sich die Mitglieder im Laufe der Zeit angeeignet haben. Und natürlich sind auch die Einnahmen wichtig.



Was für Produkte bietet Ihr an? 

 

Christa: Wir nähen Taschen, Rucksäcke, kleine Täschchen mit Reißverschluss, Schürzen, Kissen, Haarbänder, Haargummis, Kinderhosen und einige weitere Accessoires.

 

 

 

Woher kommt der Name des Projektes?

 

Christa: Wir gaben uns damals den Namen „Muanana", das bedeutet "wir sind hier". Es ist eine trotzige Reaktion auf die Räumung vom Oranienplatz: wir sind (immer noch) hier, wir lassen uns nicht vertreiben. 


Habt Ihr schon immer Taschen genäht?


Christa: Wir nähten zu Beginn Schlüsselanhänger. Bald besorgte ich dann über ebay Nähmaschinen und Material, mit dem wir etwas professioneller Taschen, Kissen, Schürzen und Krimskrams nähten. Einige von uns begannen auch mit Siebdruck auf T-Shirts und Taschen. Dann kamen Rucksäcke dazu und vieles andere mehr wie z.B. Kosmetiktäschchen und Stirnbänder. Zu Beginn der Coronzeit haben wir viele Masken produziert. Die afrikanischen Stoffe, mit denen wir arbeiten, kaufen wir überwiegend in Afro-Shops in Berlin.


Auf welchen Wegen verkauft Ihr Eure Produkte? Findet man Euch auch in Läden oder auf Märkten? 

 

Christa: Unsere Produkte verkaufen wir hauptsächlich auf Flohmärkten und auf Festen. Seit einiger Zeit haben wir auch einen Onlineshop, in dem es unserer gesamtes Programm zu kaufen gibt. Der Shop ist vor allem in der Vorweihnachtszeitn beliebt.



Wie viele Geflüchtete nähen bei Muanana? Woher kommen sie?

  

ChristaIm Moment nähen etwa 10 Geflüchtete im Projekt. Sie kommen aus Niger, Mali, Tschad und Senegal.


Ihr habt einige Eurer Produkte zur Fotosession mitgebracht. Die bunten Musterstoffe sind wunderschön! Kannst du uns etwas zu diesen Mustern erzählen? 

  

Christa: Die meisten unserer Stoffe kommen aus Westafrika und haben eine bestimmte Bedeutung: z.B. „nach Trauer kommt Freude“. Oder Vögel haben die Bedeutung „Geld fliegt weg wie ein Vogel, wenn es nicht gut angelegt ist“. Andere symbolisieren Schallplatten, Trommeln, Feuer, Kieselsteine, Kekse, Algen, Schirme, die beschützen sollen usw.


Wer sind Eure KundInnen? 

 

Christa: Vor allem Frauen kaufen bei uns. Jüngere Frauen kaufen vor allem Rucksäcke, die anderen sowohl Rucksäcke als auch Taschen.



Muanana bietet den Geflüchteten nicht nur eine Beschäftigung und die Möglichkeit, etwas Geld zu verdienen, sondern viel mehr. Warum ist Muanana so wichtig für die Geflüchteten, welche Unterstützung finden sie bei Euch?

 

Christa: Die meisten der Geflüchteten sind schon seit vielen Jahren im Projekt. Es sind Freundschaften entstanden, die Mitglieder unterstützen sich gegenseitig, helfen sich im Alltag, tauschen Infos aus, besuchen sich gegenseitig. Auch in der Corona-Zeit. Und sie wissen, dass sie von uns UnterstützerInnen jederzeit Hilfe und Unterstützung bekommen: beim Kampf um einen Aufenthalt, medizinischen Problemen, Deutschkursen, Arbeit/Ausbildung, administrativen Angelegenheiten, Unterkunft, bei unzähligen alltäglichen Angelegenheiten.

Die Geflüchteten sind im Alltag mit so vielen Problemen konfrontiert, dass es wichtig ist, verlässliche AnsprechpartnerInnen zu haben. Dies war für mich ein wichtiger Grund damals, das Projekt zu beginnen: im Camp und der Zeit danach gab es so viele Geflüchtete, die aus Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung angefangen haben, Alkohol oder Drogen zu konsumieren oder bei denen sich eine psychiatrische Erkrankung entwickelt hat. Verlässliche Strukturen und Kontaktpersonen können dem vorbeugen und Zuversicht und Hoffnung vermitteln. 



Ihr arbeitet mit help4people zusammen, kümmert Euch zum Teil um dieselben Personen. Wie ist die Aufgabenteilung zwischen Muanana und help4people?

 

Christa: Was die Unterstützung von einzelnen Personen betrifft, sprechen wir uns gut ab, je nachdem, wer gerade mehr Zeit hat, engagiert sich dann mehr. Im Laufe der Jahre sind zu einzelnen natürlich auch sehr enge Freundschaften oder enge Kontakte entstanden, viele haben bestimmte Vertrauenspersonen, die sie als erste ansprechen.

Ein Unterschied ist: die Muananas machen das Nähprojekt und finanzieren sich darüber. Help4people e.V. finanziert sich in erster Linie über Spendengelder. Der Verein kümmert sich u.a. auch um Sachspenden (Lebensmittel, Bekleidung, Schuhe, bei Bedarf Möbel etc.), um die Geflüchteten zu unterstützen. 



Wie kann man Euer wichtiges Projekt außer durch den Kauf Eurer Produkte noch unterstützen? 

 

Christa: Auf jeden Fall durch Spenden auf das Spendenkonto:

Help4people in Berlin e.V., IBAN: DE98 8309 4495 0003 3339 73

BIC: GENODEF1ETK (Ethikbank)

Wir versichern, dass die Spenden zu 100 % den Geflüchteten zugutekommen.

 

Und gerne auch durch den Kauf von Spendenkarten im Online-Shop.

Wir freuen uns auch immer über Sachspenden unter:

https://www.facebook.com/help4peopleBerlin

kontakt@help4people.de

Und es werden auch immer wieder Schlafplätze gesucht.


Was würdest du dir wünschen für die Geflüchteten, mit denen du bei Muanana zusammen arbeitest?

 

Christa: Ich wünsche allen, dass sie es schaffen, langfristig einen Aufenthalt zu bekommen. Einige haben es mit Unterstützung der evangelischen Kirche bereits geschafft, einen Aufenthaltstitel zu bekommen, andere kämpfen noch darum. Alle sind sehr engagiert, lernen fleißig Deutsch, viele arbeiten bereits oder machen eine Ausbildung, alle haben viele soziale Kontakte hier.


Infos zu MUANANA – African creations made in Germany

Web: muanana.de

Mail: muanana@gmx.de

 

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Das Interview mit Christa von Muanana führten wir schriftlich im Oktober 2021 im Rahmen unserer Nachbar*innen-statt-Models-Kampagne.

Anstatt die Modelfotos der Marken zu nehmen, deren Basics wir durchgängig im Laden führen, fragten wir unsere Nachbar*innen & Kolleg*innen, ob sie nicht unsere Models sein wollen. Mehr zu der Aktion und der Idee dahinter findet Ihr hier. Dies sind die Modelfotos, die im Rahmen der Aktion von Hassan, Momo, Muhammed, Hassan, Aboubakar und Christa entstanden sind. Vielen Dank für die Teilnahme an der Aktion!



Kampagnenshirts als Solishirts für MUANANA


Für unsere Nachbar*innen-statt-Models-Aktion haben wir Kampagnenshirts gedruckt. Da es bei der Aktion auch um nachbarschaftlichen Zusammenhalt gehen soll, gehen je 5€ pro verkauftem Shirt als Spende an MUANANA. Die Shirts findet Ihr in unserem Shop.


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Kommentare: 1
  • #1

    Sylvia u. Fredy J. (Sonntag, 28 November 2021 12:52)

    Wir haben 2 solche bunte und schöne Rucksäcke, mit denen wir auf unseren Spaziergängen und für kleinere Einkäufe unterwegs sind. Damit sind wir gut ausgerüstet und fühlen uns wohl.