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Madonna Bar

Das Madonna ist ein legendärer und nach all den Jahren immer noch gemütlicher und angenehmer Ort - gerade weil er sich kaum geändert hat. Es diente als Vorlage für eine Kneipe im Buch 'Herr Lehmann' von Sven Regener und mehreren Nachfolgebüchern. Und nach wie vor ist das Madonna ein Ort in dem Herr Lehmann oder Kristall-Rainer an der Theke sitzen, Quatschen und Trinken könnten. Und dabei Chips essen wegen der Elektrolyte.

 

 

Die Musik ist angenehm unmodern und schwankt zwischen Punk, Independent, Grunge und auch mal was aus den 70ern oder einem HipHopstück. Passend dazu ist auch das Publikum. Neben einer kleinen Runde Stammgäste, die fast jeden Tag dort ihr Bierchen trinken, kommt eine bunte Mischung ins Madonna: Viele Leute aus dem Kiez, verschiedene Altersgruppen, darunter viele ältere und mittelalte Menschen, auch mal Touris, aber nie so, dass es anstrengend wird.


 Im Sommer sitzt es sich schön draußen gegenüber des Spreewaldbades und der Bushaltestelle des M29. Dort gibt es immer was zu sehen - und zu hören. Die Feuerwehr, die von der nahegelegenen Feuerwehrstation in der Wiener Straße vorbei kommt und kurz vor der Kreuzung, wo das Madonna ist, regelmäßig ihre Sirene einschaltet genauso wie die Musik aus dem von Pappi oder Mami geliehenen Angeberschlitten der Jungmänner, die am Wochenende an der Ampel stehen und sich zeigen wollen (wir ignorieren sie gekonnt!). Und der Kiez, der von der U-Bahn kommend vorbei am Madonna nach Hause oder zum Görli läuft. Oder den Hund ausführt und sich dazu auch kurz mal auf ein Bier niederlässt.



Nur von Bier zu sprechen, wird dem Madonna aber keinesfalls gerecht. Das Madonna ist eine Whiskey-Kneipe, die unendlich viele Sorten Whiskey sowie Rum aus allen möglichen Ländern anbietet. Zum Madonna gehört auch der Laden Tabac & Whiskey Center um die Ecke in der Ohlauer Straße, in dem man viele dieser Whiskeys sowie anderen - guten - Schnaps und Zigaretten kaufen kann.

 

Bestimmt fällt der/dem aufmerksamen Leser*in auf, dass dies im Gegensatz zu den anderen Beiträgen kein Interview mit Kalle, dem Inhaber des Madonnas, ist, sondern ein von uns (als große Madonnafans) geschriebenes Loblied. Deshalb fehlen hier auch konkrete Zahlen wie seit wann es das Madonna genau gibt, wie viele Whiskeys angeboten werden und bestimmt auch so manch anderes. Und deshalb sind die Fotos zum Teil schlechte Handyfotos von dem einen oder anderen schönen Abend im Madonna in den letzten Jahren.

 

Kalle arbeitet gerade an seiner neuen Homepage und tüftelt allerhand Neues für seine Bar aus. Dennoch war er so lieb, für uns Modell zu sein, das Interview und die Fotosession Madonna hat er aber nicht mehr geschafft. Das wird dann irgendwann nachgeholt.


Dieses Foto zeigt nicht die Party, sondern einen ganz normalen Madonna-Abend
Dieses Foto zeigt nicht die Party, sondern einen ganz normalen Madonna-Abend

Wenn wir über das Madonna schreiben, darf auf keinen Fall die Madonna-Party vergessen werden, die in normalen Zeiten immer am ersten Samstag des Monats stattfindet. Dje ist immer der Inhaber Kalle und die Musik ist immer gut. Im Sinne von: es ist für alle was dabei. So sammeln sich dort auch viele 40+, 50+, sogar 60+-Tanzenden, die sich (wie wir) freuen, zur Musik "von Früher" - was für alle diese Gruppen natürlich etwas anderes heißt - tanzen zu dürfen ohne, dass es komisch ist. Darunter mischen sich junge Hipster. Es läuft The Cure, Depeche Mode, die Sex Pistols, Led Zeppelin, Reaggae, Ska, HipHop und nicht fehlen darf auch mindestens ein Song von Seed. Bevor die ersten sich auf die Tanzfläche wagen, sitzt man in einer Art Stuhlkreis wie früher im Landschulheim, von dem man auch später den Tanzenden wunderbar zuschauen kann.


Das ist schön am Madonna - man kann sich jung oder zumindest nicht "zu alt" fühlen.

Kalle hat uns neulich verraten, dass er bei den nächsten Madonna-Partys ein paar neue Songs spielen will, also neu im Sinne von welchen, die er sonst nicht spielt, denn er spiele immer dasselbe nur in anderer Reihenfolge ;-) Dies ist - zumindest für uns - auch ein schöner Aspekt des Madonna - es ändert sich wenig und Trends sind ihm völlig egal.

 

So gibt es auch Teile der Einrichtung, die womöglich schon immer so sind, zumindest seit den 90ern, seit wir die Bar kennen: das beeindruckende an Michelangelo erinnernde Deckenfries, das Bild von Heinz Rühmann und die Madonnastatue.

 

 

Ja, und Fußball läuft auch Hin und Wieder. Dann verkriechen wir uns in das von uns "Kapelle" genannten Hinterräumchen mit dem schmalen hohen Schnitt einer gotischen Kapelle und dem bunten Fensterchen am Ende und das genau ein Biertisch mit Bänken passt und hoffen, dass es bald vorbei ist.


 Durch einen Verkauf des Hauses Wiener Straße 22 war das Madonna vor Kurzem bedroht. Zusammen mit anderen von Verdrängung bedrohten Häusern, engagierte es sich, es gab eine Kundgebung und eine Demo zusammen mit der Initiative gegen Gentrifizierung GloReicheNachbarschaft, die auch dieses Foto gemacht hat (danke!). Im Gegensatz zu vielen anderen Wohnungs- und Gewerbemieter*innen sieht es aber derzeit so aus als könne das Madonna bleiben, wo und wie es ist. Gott sei Dank (sagen wir als AtheistInnen)! Vielleicht hat die Madonnenstatue ihre schützende Hand über diese sympathische Kneipe gehalten.

Text: Nici Jäckle (November 2021)


Infos zur Bar

Madonna

Wiener Str. 22

10999 Berlin

 

Tel: 030 6116943

 

Web: madonna-bar.de

Mail: info@madonnabar.de


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Der Text entstand im November 2021 im Rahmen unserer Nachbar*innen-statt-Models-Kampagne.

Anstatt die Modelfotos der Marken zu nehmen, deren Basics wir durchgängig im Laden führen, fragten wir unsere Nachbar*innen & Kolleg*innen, ob sie nicht unsere Models sein wollen. Mehr zu der Aktion und der Idee dahinter findet Ihr hier. Dies sind die Modelfotos, die im Rahmen der Aktion von Kalle entstanden sind. Vielen Dank für die Teilnahme an der Aktion!

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