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KWD - Katja Werner Design

Katja von K.W.D. kennen wir seit unseren Anfängen unserer Eigenmarke Hirschkind. Vor über 12 Jahren begegneten wir uns regelmäßig auf diversen Märkten und lernten uns so kennen. Als wir eine zeitlang einen eigenen Desigmarkt organisierten, den handmade supermarket in der heutigen Markthalle Neun, war Katja immer mit dabei. Nicht nur die Produkte von K.W.D. sehen unglaublich schick und phantasievoll aus, sondern auch ihr Ladenatelier in Friedrichshain. Auch jeden Marktstand, den Katja gestaltet ist, ein kleines Kunstwerk. Alle Bestandteile dafür transportiert sie seit Jahren mit ihrem K.W.D.-Lastenfahrrad.



Wie heißt du, wie heißt Deine Marke/Atelier/Laden und wo finden wir Dich?

 

Katja: Ich bin Katja, Designerin und Gründerin des Labels K.W.D. | Objekt und Produkt. Ich habe einen Laden in Berlin Friedrichshain, den ich als Atelier, Werkstatt und Showroom bespiele.

 

Woher kommt der Name Deiner Marke?

 

Katja: Als Designerin habe ich bereits vor Gründung des Labels unter »Katja Werner Design« firmiert. Das war für das Branding meiner Produkte und einen einprägsamen Markennamen aber einfach zu lang. Es handelt sich also schlicht und ergreifend um eine Abkürzung. 



Wie ist das Konzept Deiner Marke und Deines Ladens?

 

Katja: Unter dem Label K.W.D. erwecke ich verstossene Materialien zu neuem Leben als Objekt oder Produkt. Im Mittelpunkt steht das Ziel, die Vorzüge und Eigenschaften eines Materials aufzuspüren und diese, losgelöst von seiner bisherigen Funktion, nicht nur nachhaltig, sondern auch durchdacht und funktional nutzbar zu machen. Die Mission lautet: »Die Brauchbarkeit des scheinbar Unbrauchbaren neu gedacht.«

Meine Produkte sind oft Taschen und Accessoires, aber auch Lampen, Möbel oder anderes Interieur. Nach wie vor wird all dies ausschliesslich in der eigenen Werkstatt gefertigt, denn nur so kann auch jedem Teil der Kleinserien die Aufmerksamkeit eines Einzelstücks geschenkt werden. Da Showroom und Werkstatt in einem grossen Raum sind, erleben Besucher den Entstehungsprozess hautnah und es kann auf kurzem Wege auf individuelle Vorstellungen oder Wünsche eingegangen werden.

Neben den in Kleinserie hergestellten Produkten, absoluten Einzelstücken und individuellen Produktentwürfen für Firmenkunden, liegt für mich grosse Passion in freien Arbeiten und Installationen. Weithin als »Müll« wahrgenommene Gegenstände oder Halbzeuge werden neu inszeniert und so mit der Wahrnehmungsgewohnheit des Betrachters gespielt. Sie provozieren Irritation, gefolgt von einem Lächeln und schaffen am Ende eine Erkenntnis ... und regen vielleicht sogar zur Reflexion des eigenen Konsumverhaltens an.


Seit wann gibt es K.W.D. und wie kam es dazu? Wann hast du Deinen Laden eröffnet?

 

Katja: Nach meinem Studium habe ich viele Jahre als Grafik-Designerin, Motion-Designerin, Set-Designerin, Interior-Designerin ... für das Fernsehen, für Bands und Veranstaltungen gearbeitet. Neues zu probieren, neues zu wagen, zu lernen und damit zu wachsen gehörte also schon immer zu meinem Weg.

Mich beschäftigte aber zunehmend der Gedanke, dass wir alle auch in unserem Beruf eine ökologische Verantwortung tragen und es wuchs das Bedürfnis, diesem mehr Raum zu geben.

Flohmärkte und Schrottplätze liebte ich seit jeher und hatte oft schon verstossene Dinge von der Strasse adoptiert um sie einer neuen Bestimmung zuzuführen. Aus eben dieser spielerischen Begeisterung begann ich irgendwann mit Schläuchen zu experimentieren. Schliesslich fuhr ich selbst Fahrrad und Motorrad und hatte oft mit altem Schlauch improvisiert. Warum also nicht dem grossartigen Gut als Designerin begegnen und ein hochwertiges, nachhaltiges und durchdachtes Produkt daraus entwerfen?

Das Material war eine Herausforderung und ich hatte keine Ahnung wie man es bezwingt oder was es für Werkzeuge oder Techniken dafür braucht – geschweige denn, dass ich überhaupt nähen konnte. Aber ich hatte Ideen im Kopf, die ich unbedingt umsetzen wollte und bekanntlich wächst man mit seinen Aufgaben. Wieder Material in den Händen zu halten, mit Werkzeugen zu arbeiten, die nicht alle paar Monate ein Update benötigen und am Ende physisch sehen zu können, was man geschaffen hat – das fühlte sich grossartig an und machte Lust auf mehr. Die ersten Produkte entstanden noch auf dem heimischen Küchentisch und die erste Nähmaschine war ein Geschenk. Anfang 2007 legte ich dann offiziell mit dem Label los; ohne zu dem Zeitpunkt zu ahnen

Der neue Begriff »Upcycling« kam auf und nachhaltiger Konsum und Müllvermeidung rückten langsam aber zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Presse war überaus interessiert an dem Thema und die Landschaft an Machern zu der Zeit noch sehr übersichtlich. Das verhalf mir zu grösserer Verbreitung.

 

2009 zog mein kleines Unternehmen in sein erstes Ladenatelier um der immer grösseren Vielfalt an Einzelstücken mehr Raum geben zu können und einen Anlaufpunkt für Kunden zu bieten. Neben »nutzbaren« Produkten als Unikate und Kleinserien entstehen hier ebenso »nutzfreie« Objekte und Installationen, die man zuweilen auch auf Kunstausstellungen bewundern kann.

Der neue Begriff »Upcycling« kam auf und nachhaltiger Konsum und Müllvermeidung rückten langsam aber zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Presse war überaus interessiert an dem Thema und die Landschaft an Machern zu der Zeit noch sehr übersichtlich. Das verhalf mir zu grösserer Verbreitung.

 

2009 zog mein kleines Unternehmen in sein erstes Ladenatelier um der immer grösseren Vielfalt an Einzelstücken mehr Raum geben zu können und einen Anlaufpunkt für Kunden zu bieten. Neben »nutzbaren« Produkten als Unikate und Kleinserien entstehen hier ebenso »nutzfreie« Objekte und Installationen, die man zuweilen auch auf Kunstausstellungen bewundern kann.

 

 Auch wenn die Zeit des Upcycling-Trends günstig wäre, das Unternehmen gross zu machen, fiel meine Entscheidung klar dagegen aus. Zu dem Kompromiss, der Vereinfachung der Entwürfe, den eine outgesourcte industrialisierte Produktion bedingen würde, war ich einfach nicht bereit. Auch wenn wirtschaftlich sinnvoll, war mir das Herzblut im Ergebnis zu wichtig und meine Kunden bestätigen immer wieder, dass man genau das auch in meiner Arbeit sehen kann.  


Du hast uns ein Produkt mitgebracht – warum hast du dieses Produkt ausgewählt? 

 

Katja: Oh ja, die kleine »Bombe« – so der interne Arbeitstitel. Nach einem Fernsehbeitrag bekam ich von einer begeisterten Zuschauerin ein grosses Paket geschickt. Sie hatte den Keller entrümpelt und mir u.a. ein paar Reifen eines Fat Tire Bikes geschickt. Diese Reifen sind so gross wie Autoreifen aber sind extrem dünn und leicht. Damit zu arbeiten ist schwierig, da sie ein ziemlich dickes Stollenprofil haben. Die Tasche vom Foto habe ich aus einem Stück eines solchen Reifens gefertigt. Alle anderen Teile wie Stoff, Gurt und Metallteile sind aus alten »geschlachteten« Militärausrüstungen. Das Material war ausreichend um drei oder vier der Taschen zu fertigen. Da die Reifen selten sind, ist es sehr unwahrscheinlich, dass es von der Tasche noch mehrere geben wird.


Du machst auch Objekte unterschiedlicher Art. Hast du ein Lieblingsobkekt und welches ist es?

 

KatjaDie Objekte sind mein Herzblut, meine Spielwiese. Leider bleibt meist zu wenig Zeit für diese freien Arbeiten. Prominentestes und auch langwierigstes Projekt war wohl mein Kronleuchter »Lüster«, behangen mit 154 transluzenten Zahnbürsten. Hierfür habe ich trotz zahlreicher Unterstützer vier Jahre gesammelt bevor er komplett war. Der Kronleuchter selbst war ein Fundstück, das ich als trauriges Rudiment auf der Strasse gefunden hatte. Ich mag den Effekt, dass sich dem Betrachter erst auf zweiten Blick erschliesst, dass es Müll ist, der hier so wertvoll schillert. »Lüster« ist nach wie vor ein Hingucker in meinem Showroom.

 


Wer sind Deine KundInnen?

  

Katja: Zu meiner eigenen Überraschung stellte sich früh heraus, dass sich das weder auf eine bestimmte Zielgruppe, noch Altersklasse begrenzen lies. Viele finden den ökologischen Aspekt und nachhaltiges Konsumieren wichtig. Andere haben eine Affinität zu Materialien, mit denen ich arbeite. Es können überzeugte Fahrradfahrer sein, Oldtimerfans, Fetischanhänger, Veganer, Zero-Waste-Aktivisten … oder eben KundInnen, die einfach mein Design schätzen. 

 


Dein Laden ist im Südkiez in Friedrichshain – was magst du an dem Kiez und seiner Nachbarschaft?

  

Katja: Vor acht Jahren habe ich mit meinem Atelier nach Friedrichshain »rübergemacht«. Und ehrlich gesagt war das wohl nur der Verdrängung aus meinem Kreuzberger Atelier geschuldet. Das Haus wurde verkauft und ratzfatz stand ich auf der Strasse. Aber ich habe im »Boxi-Kiez« ein wunderschönes Ladenatelier gefunden, habe nette Nachbarn und der Standort ist für Kunden gut zu erreichen. Da das Fahrrad mein vorrangiges Fortbewegungs- und Transportmittel ist, kommen mir die kurzen Wege entgegen. Doch wohnen tue ich nach wie vor lieber in Kreuzberg 36.

 


Infos zu K.W.D. | Objekt und Produkt

Libauer Strasse 1

10245 Berlin

 

Tel: 030-610 735 77

Öffnungszeiten:Di-Fr 11-19h Sa+Mo nicht immer

 

Web: kwd.berlin

Mail: post@kwd.berlin

 

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Das Interview mit Katja von K.W.D. führten wir schriftlich im Oktober 2021 im Rahmen unserer Nachbar*innen-statt-Models-Kampagne.

Anstatt die Modelfotos der Marken zu nehmen, deren Basics wir durchgängig im Laden führen, fragten wir unsere Nachbar*innen & Kolleg*innen, ob sie nicht unsere Models sein wollen. Mehr zu der Aktion und der Idee dahinter findet Ihr hier. Dies sind die Modelfotos, die im Rahmen der Aktion von Katja entstanden sind. Unschwer zu erkennen, dass Katjas Lieblingsfarbe schwarz ist :-)Vielen Dank für die Teilnahme an der Aktion!

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